Mai 2015 05

Rund ums Textile ging es beim Treffen von über 280 Auszubildenden der Textil- und Bekleidungsindustrie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Friedrichshafen. Beim 6. Jungtextiler-Kongress – die internationale Veranstaltung findet alle zwei Jahre in einem Bodensee-Anrainerland statt – der dieses Jahr unter der Federführung von Südwesttextil in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Textilverband, der Wirtschaftskammer Vorarlberg und dem bayerischen Verband der Textil- und Bekleidungsindustrie organisiert wurde, erfuhren die „Jungtextiler“ in den Räumen des Dornier-Museums unter anderem, wie intelligente textile Materialien in Transportsystemen der Zukunft eingesetzt werden können. Sie lernten, dass zu einer Idee auch die Veränderung gehört und was mit dem Glauben an diese Idee sowie mit Mut und Beharrlichkeit alles erreicht werden kann.

Donata Apelt-Ihling, Vizepräsidentin von Südwesttextil und Gesellschafterin der Alfred Apelt GmbH, freute sich über das große Interesse der jungen Azubis an dieser Veranstaltung. Sie begrüßte die Teilnehmer und beglückwünschte sie zu ihrer Berufswahl, denn sie seien in einer zukunftsorientierten, kreativen, innovativen Branche tätig. Ihr Weg in den Beruf führe sie über eine duale Ausbildung – ein vorbildliches Ausbildungsmodell, das jüngst von der Europäischen Kommission als äußerst erfolgreich gelobt wurde. Deshalb befänden sie sich bereits in einer sehr komfortablen Ausgangssituation. Die Unternehmerin appellierte an die jungen Textiler: „Nutzen Sie die Ihnen gebotenen Chancen, denn heute sind in unseren Unternehmen mehr denn je junge, gut ausgebildete, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, die dank ihrer Fähigkeiten, ihrer Motivation und ihrer Offenheit in der Lage sind, die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu stärken und weiter mit auszubauen.“

Auch der Hausherr, Peter D. Dornier, ließ es sich nicht nehmen und präsentierte den jungen Gästen persönlich sein 1950 gegründetes Unternehmen. Die Lindauer Dornier GmbH (LiDO) produzierte in den Anfängen Schützenwebmaschinen und Trocknungsanlagen für die Pappe-, Papier- und Baustoffplattenindustrie. Mit Innovationen verschaffte sich die Firma, wie früher im Flugzeugbau, auch auf diesem Gebiet aus dem Stand heraus Weltgeltung: 1967 brachte die Einführung der Greiferwebmaschine die Basis für den Aufstieg zum größten deutschen und gleichzeitig international renommierten Webmaschinen-Hersteller, auf die 1989 die Luftdüsenwebmaschine folgte. Das jüngste Geschäftsfeld ist die Verarbeitung von Faserverbundwerkstoffen. Eindrucksvoll zeigte er wie auf Jaquardwebmaschinen Carbongarne zu Rotorblättern für die Flugzeugindustrie gewoben werden. „Auf den gleichen Maschinen wird der Stoff für meine Krawatte produziert“, erklärte Dornier. Die Textilindustrie gewinne derzeit immer mehr an Bedeutung. „Wenn mittlerweile sogar IT-Unternehmen das Weben anfangen, ist das auch eine Aussage“, meinte er zum Ende seines Vortrags.

Nach diesem Einstieg gab es für die jungen Textiler einen aktiven Part: In kleinen geführten Gruppen erkundeten sie das Museum und benötigten danach ihr gesamtes textiles Wissen, um die kniffligen Fragen des ausgeteilten Quiz zu beantworten. Der Ehrgeiz war geweckt, denn es gab natürlich etwas zu gewinnen.

„Am Anfang ist die Idee“ – unter diesem Motto präsentierten Karin Bobka, Fabian Schray und Felix Schwaderer, Studenten der Hochschule Reutlingen, nach der Mittagspause ihre Projektarbeit Sense of Secruity – SoS. Das Ziel des Projekts war die Entwicklung eines sicheren, angenehmen und innovativen Nahverkehrsmittels für die urbane Zivilisation. Heraus kam ein 11 Meter langer eigenständig fahrender Bus, ausgestattet mit vielen innovativen funktionalen Textilien, der im Jahr 2035 in Großstädten wie z. B. Berlin, Tokio und Mexico City unterwegs sein könnte. Mit ihrer futuristischen Präsentation zeigten die drei Studenten den Auszubildenden, wie Ideen entstehen und weiterentwickelt werden.

Im nächsten Vortrag präsentierte Egon Förster das umwelt- und ressourcenschonende Produktionsverfahren seines Unternehmens Fiber Engineering: die Fasereinblastechnik. Mit dieser Innovation, für die sie 2013 den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg bekommen haben, lassen sich dreidimensionale Faserformteile mit weniger Materialeinsatz und unterschiedlicher Dichten herstellen: z. B. Gurthalterungen im Auto, Verpackungen, Teile in Polstermöbeln und sogar Schalen für BHs. Die Fasern werden mit einem Bindestoff gezielt in ein Werkzeug eingeblasen und anschließend gepresst, erhitzt und wieder abgekühlt. Im Gegensatz zum Standardverfahren kommen hier keine Fasermatten, sondern lose Fasern als Basismaterial zum Einsatz. Dadurch entfällt ein kompletter Verfahrensschritt – das Zuschneiden oder Stanzen des Materials samt aller dafür notwendigen Halbzeuge. Neben Recyclingmaterial und Naturfasern von Flachs bis Kamelhaar, sind fast alle Kunstfasern wie Kevlar, Glas- und Carbonfasern für dieses Verfahren geeignet. So lassen sich z. B. Polyurethan-(PUR-)Schäume als Polsterstoff ersetzen, was den Einsatz giftiger Stoffe wie Isocyanate vermeidet.

Was man alles nach einem Maschinenbaustudium machen kann, zeigte der Schweizer Andreas Guggenbühl. Er präsentierte sein ein Jahr altes Start-up-Unternehmen Selfnation, das für jeden Kunden eine passgenau, individuelle Jeans produziert. Gekauft wird diese aber nicht im Laden sondern online. Und das funktioniert so: Unter www.selfnation.de wählt man ein Jeansmodell, das einem gefällt, aus. Danach muss man sich für die richtige Passform an acht Punkten vermessen und die Maße eingegeben. In Sekundenschnelle wird das Schnittmuster berechnet und an einem 3D-Avatar präsentiert. Wenn die Jeans gefällt, kann sie auf Knopfdruck bestellt werden. Produziert wird das Unikat dann in Deutschland mit Materialien aus Italien. Zum Schluss gab der Jungunternehmer den interessierten Zuhörern mit auf den Weg, nicht das Träumen zu vergessen – am besten zehn Minuten pro Tag. Und um seine Träume dann verwirklichen zu können, sei es essentiell, sein Umfeld um Hilfe zu bitten.

Zum Kongressabschluss skizzierte Bo Birk Pedersen von der Birk Consulting GmbH mit seinem Vortrag „Time to change faster“ die Megatrends der Zukunft. Wesentlicher Treiber des beschleunigten Wandels sei exponentielles Wachstum, so Pedersen. Technologien würden schneller voranschreiten und Lebenszyklen von Unternehmen immer kürzer werden. Aber es sei unmöglich, schnell genug auf die exponentiell wachsenden Veränderungen zu reagieren. Die Lösung sei deshalb nicht schneller zu reagieren, sondern sich natürlich im Voraus zu verändern. Zu diesem Zweck sei es für Unternehmen erforderlich, vorausschauende Kompetenzen und ein „Zukunftsradar“ für Trends und Visionen zu entwickeln. Sein Konzept sei es, existierende Trends mit Zahlen zu belegen und sie dann zu extrapolieren, erklärte der Experte den faszinierten Zuhörern. Die so gewonnen Trendaussagen würden mit Sicherheit auf uns zukommen und unsere Gesellschaft massiv verändern. Die vier Felder „Technologie, Demografie, Globalisierung und Umweltschutz“ würden diese Megatrends abdecken. In der Technologie beispielsweise der 3D-Druck: Bereits heute könnten ganze Autos mit dieser Technik produziert werden (http://dprintedcar.webflow.io/). Auch Logistikunternehmen befassten sich bereits mit dieser Technologie, um so noch schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können. Ein weiteres Beispiel sei die steigende Demografie. In weniger als 20 Jahren würden 1,2 Milliarden mehr Menschen in Städten leben, in anderen Ländern werde eine neue Mittelschicht entstehen, mit anderen Bedürfnissen als unsere in Mitteleuropa. Beispiel Nummer drei: Die zunehmende Leistungsfähigkeit von Computertechnologie. Die Chips würden immer leistungsstärker und kleiner werden. So sei es denkbar, dass wir in der Zukunft keine Fremdsprachen mehr lernen müssten, weil ein uns implantierter Chip die Sprachen für uns übersetze. Ziel sei es nun, diese Megatrends zu erkennen, um frühzeitig reagieren zu können. Um nicht ein Opfer der Veränderungen von außen zu werden, rät Pedersen, unsere Perspektiven zu ändern, einen Wechsel unserer Einstellungen und Paradigmen zuzulassen. „Vor 200 Jahre haben wir Pferde durch Maschinen ersetzt. Nun ersetzten wir Maschinen durch Intelligenz. Dies wird größere Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben, als die Einführung der Dampfmaschine. Aber auch heute wie damals wird dieser Entwicklung den Wohlstand erhöhen.”

Film:
Jungtextiler Kongress 2015












Apr 2015 17

Die Spannung steigt. Rund ums Textile geht es am Montag, den 20. April beim Treffen von rund 300 Auszubildenden der Textil- und Bekleidungsindustrie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Friedrichshafen. Die sogenannten „Jungtextiler“ erfahren in den Räumen des Dornier-Museums unter anderem, wie intelligente textile Materialien in Transportsystemen der Zukunft eingesetzt werden können. Sie lernen, dass zu einer Idee auch die Veränderung gehört und was mit dem Glauben an diese Idee sowie mit Mut und Beharrlichkeit alles erreicht werden kann.

Der internationale Jungtextiler-Kongress findet alle zwei Jahre in einem Bodensee-Anrainerland statt. Organisiert wird er in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Textilverband, der Wirtschaftskammer Vorarlberg sowie den Textil- und Bekleidungsverbänden aus Bayern und Baden-Württemberg. Ziel ist es, junge textile Nachwuchskräfte im Dreiländereck zusammenbringen und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich über interessante und aktuelle Themen zu informieren und ihre Erfahrungen auszutauschen.

Apr 2015 07

Am 20. April findet in diesem Jahr der Jungtextiler Kongress in Friedrichshafen im Dornier Museum statt. Wieder treffen sich Auszubildende und jung gebliebene Textiler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zur bereits sechsten Veranstaltung dieser Art.

Die Verbände haben wie in den letzten Jahren auch ein interessantes Programm auf die Beine gestellt.

Programm:

Grußwort
Donata Apelt-Ihling, Vizepräsidentin Südwesttextil und Gesellschafterin Alfred Apelt GmbH

Über den Wolken – Begrüßung
Dipl.-Ing. Peter D. Dornier, Geschäftsführer Lindauer Dornier GmbH

Am Anfang ist die Idee
Transportation Interior Design,Hochschule Reutlingen (D)

Wenn Fasern fliegen
Egon Förster, Geschäftsführender Gesellschafter Fiber Engineering GmbH (D)

Vom Detail zum Erfolg
Andreas Guggenbühl, CEO Selfnation (CH)

Time to change faster
Bo Birk Pedersen, Birk Consulting GmbH (A)

Programm und Einladung

Jan 2014 24

Und wieder ist ein Wintercamp in Scuol Sur En in der Schweiz zu Ende gegangen. Vom 18. bis 22. Januar trafen sich Auszubildende aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zum alljährlichen gemeinsamen Wintercamp.

In dem von Swisse Textiles organisierten mehrtägigen Treffen lernen die Teilnehmer wie man richtig Lernt und sie stellen die Unternehmen vor aus denen sie teilnehmen. Aber natürlich kommt auch der Spaß nicht zu Kurz. Eine Orientierungswanderung, Eistockschiessen, Schlittenfahren und Skifahren stehen wie in jedem Jahr auf dem Programm.

Erste Eindrücke und ein Video einer Schlittenfahrt finden sich auf dem Facebookprofil der Ausbildungsabteilung von Swisse Textiles

www.facebook.com/textillehre.ch

Jan 2014 14

In den Jahren 2011 und 2012 fanden Lehrerweiterbildungen an Textil- und Modeschulen in den D-A-CH Regionen statt. Für das Jahr 2014 wurden die Kurse nun übersichtlich in einer kleinen Broschüre zusammengestellt. Die Weiterbildungskurse richten sich an fachspezifisches Lehrpersonal aus dem Berufsfeld Textil und Bekleidung.

Die Gatex wird Ende April einen Kurs über die Eigenschaften von Ring-, Rotor- und Luftgarnen und deren Auswirkungen auf das Endprodukt anbieten. Bereits am 25. Februar wird die Gewerbeschule Schopfheim die Vorbehandlung von Baumwolle im Lernfeldunterricht näher beleuchten.

Ebenfalls im Februar wird an der Deutschen Meisterschule für Mode in München das Seminar Entwicklung einer Modenschau angeboten.

Um die Stickereitechnik geht es bei einem dreitägigen Seminar an der HTL Dornbirn im Mai und im November biete die Schweizer Textilfachschule zwei Seminare zu innovativen Verarbeitungstechniken an.

Neben dem fachlichen Erfahrungsaustausch soll die Vernetzung durch persönliche Begegnung ihren Raum einnehmen. Die Schulen werden von den Textil- und Modeverbänden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützt.

Bei Interesse bitte bis spätestens 10 Tage vor Veranstaltung im Sekretariat des Gesamtverbands textil+mode anmelden. Ansprechpartnerin ist Frau Maria Jastram (Telefon +49 30 726220 26, E-Mail mjastram@textil-mode.de).

Broschüre Lehrerweiterbildung

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